Das hat es in unserer DDR auch gegeben…„Uns ist das Schicksal auch des einzelnen Rechtsbrechers nicht gleichgültig. Wir bemühen uns im Interesse der Gesellschaft und im Interesse des Betroffenen selbst – auch wenn er dies oft nicht gleich wahrhaben will –, ihn in den Schoß der Gesellschaft zurückzuführen, ihn insbesondere im Prozeß der Arbeit zu einem wertvollen Mitglied unserer Gesellschaft zu erziehen.“
Walter Ulbricht auf der 25. Sitzung des Staatsrates der DDR
Nadja sagt: Rechtsbrecher gab es nicht nur in der Fernsehreihe „Polizeiruf 110“, in den begehrten Krimis oder den „Wochenpost“-Berichte von Rudolph Hirsch.
Stichwörter: Knast, U-Haft, Rummelsburg, Arbeitsplatzgebunden, Abteilung Inneres….
Ich erinnere mich heute an die freundliche junge Frau Brunhilde die nicht nur Aufenthaltsverbot für Berlin hatte, sondern auch für ihre thüringische Heimat. Sie hielt zusammen mit einen Arbeitskollegen, genannt Töpper, der meinte „Ich bin auf der verkehrte Seite der Welt geboren“ und stolz erzählte daß sein leiblicher Bruder als gelernter Fliesenleger reich werden könne, denn er habe goldene Hände, aber stattdessen immer wieder „im Bau“ kam, in der Hoffnung eines Tages durch Vermittlung von Vogel „freigekauft“ zu werden und letztendlich in der BRD abgeschoben zu werden. Und für solche undankbare, feindlich eingestellte Bürger gab es vorranging Wohnungen, Betreuung usw. Eben „Alles für das Wohl des Menschen!“, wie es so schön hieß.
Und noch ein Gedanken: „Wer einmal aus der Blechnapf frisst“ von Hans Fallada. Das Buch war bei uns erhältlich.

Liebe Nadja,
AntwortenLöschendass man in der DDR auch labilen und "gestrauchelten" Menschen bzw. welchen, die unter schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen sind oder in diesen lebten, eine (Lebens-)Chance geben wollte, das finde ich schon gut und richtig! Auch heute noch!
Da wurde vieles organisiert und getan. Da wurden freiwillige Helfer eingesetzt, betriebliche Kollektive mit herangezogen, auch Hausgemeinschaften und anderes mehr, nur, um KEINEN zurückzulassen.
Es gab zahlreiche Möglichkeiten, sich zu bilden, sich weiterzubilden - meistens kostenfrei bzw. für einen sehr geringen und erschwinglichen Preis.
Die Grundidee bzw. das Grundanliegen besagte: Jeder soll arbeiten! Jeder soll sein Einkommen haben! Jeder soll sich seinen Lebensunterhalt verdienen; verdienen können! Jeder soll seinen Platz haben und finden! Jeder soll sich sinnvoll beschäftigen bzw. beschäftigen können! Jeder soll einen Sinn im Leben sehen und diesen auch für sich finden können...
Diese Grundgedanken waren meiner Meinung nach gut und richtig! Dass deren Umsetzung und die Realisierung jedoch manchmal, und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen, an (unüberwindliche) (!) Grenzen gestoßen ist, das ist eine ganz andere Frage und leider Tatsache.
LG, heinka