Sonntag, 14. Mai 2017

Damals



DDR Erststagsbrief Schiller-Jahr 1955
Nashenka sagt: „Damals, damals, damals war alles so schön, doch wir waren viel zu jung, viel zu jung, um unser Glück zu verstehn“ sang Bärbel Wachholz

1 Kommentar:

  1. Friedrich Schiller
    Geteilte Erde

    »Nehmt hin die Welt!« rief Zeus von seinen Höhen
    Den Menschen zu. »Nehmt, sie soll euer sein!
    Euch schenk ich sie zum Erb und ewgen Lehen,
    Doch teilt euch brüderlich darein.«

    Da eilt, was Hände hat, sich einzurichten,
    Es regte sich geschäftig jung und alt.
    Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten,
    Der Junker birschte durch den Wald.

    Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen,
    Der Abt wählt sich den edeln Firnewein,
    Der König sperrt die Brücken und die Straßen
    Und sprach: »Der Zehente ist mein.«
    Buchcover Sämtliche Gedichte und Balladen von Friedrich SchillerSammelband: Sämtliche Gedichte und Balladen
    Cover Mario Adorf liest SchillerHörbuch: Mario Adolf liest Schiller

    Ganz spät, nachdem die Teilung längst geschehen,
    Naht der Poet, er kam aus weiter Fern;
    Ach! da war überall nichts mehr zu sehen,
    Und alles hatte seinen Herrn!

    »Weh mir! so soll ich denn allein von allen
    Vergessen sein, ich, dein getreuster Sohn?«
    So ließ er laut der Klage Ruf erschallen
    Und warf sich hin vor Jovis Thron.

    »Wenn du im Land der Träume dich verweilet«,
    Versetzt der Gott, »so hadre nicht mit mir.
    Wo warst du denn, als man die Welt geteilet?«-
    »Ich war«, sprach der Poet, »bei dir.

    Mein Auge hing an deinem Angesichte,
    An deines Himmels Harmonie mein Ohr-
    Verzeih dem Geiste, der, von deinem Lichte
    Berauscht, das Irdische verlor!«

    »Was tun?« spricht Zeus. »Die Welt ist weggegeben,
    Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein.
    Willst du in meinem Himmel mit mir leben:
    So oft du kommst, er soll dir offen sein.«

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