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Sonntag, 21. Dezember 2008

Erich WEINERT Im Kreml ist noch Licht


ZUM GEBURTSTAG J.W. STALINS

IM KREML IST NOCH LICHT


Wenn du die Augen schließt und jedes Glied

Und jede Faser deines Leibes ruht -

Dein Herz bleibt wach, dein Herz wird niemals müd;

Und auch im tiefsten Schlafe rauscht dein Blut.

Ich schau aus meinem Fenster in die Nacht;

Zum nahen Kreml wend ich mein Gesicht.

Die Stadt hat alle Augen zugemacht.

Und nur im Kreml drüben ist noch Licht.

Und wieder schau ich, weit nach Mitternacht,

Zum Kreml hin. Es schläft die ganze Welt.

Und Licht um Licht wird drüben ausgemacht.

Ein einziges Fenster nur ist noch erhellt.

Spät leg ich meine Feder aus der Hand,

Als schon die Dämmerung aus den Wolken bricht.

Ich schau zum Kreml. Ruhig schläft das Land.

Sein Herz blieb wach. Im Kreml ist noch Licht.


Erich Weinert
Moskau 1940
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1 Kommentar:

  1. Ich mußte und habe diese Gedicht auswendig lernen müssen.
    In meiner Zeit ging es nicht um Genossen Stalin, sondern Genosse Lenin, da Stalin da bereits lange verpönt war.
    Noch heute kommt mir die Textzeilen in den Sinn, wenn ich spät abends ein Licht im Fenster sehe. Dann denke ich: "Es brennt noch ein Licht im Kremel, Lenin arbeitet noch!" und leicht schmunzelnd ziehe ich weiter.

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