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Samstag, 7. August 2010

7. AUGUST 1944 HINRICHTUNG VON MARGUERITE BERVOETS

In Memoriam
7. AUGUST 1944 HINRICHTUNG VON MARGUERITE BERVOETS

Am 7.August 1944 um 18.34 Uhr wurde unsere Heldin geköpft auf dem Hof des Gefängnisses von Wolfenbüttel, der Tag selber ihrer Ankunft dort.
Zuvor hatte ihren Leidensweg folgende Stationen: Verhaftung auf dem Gelände des Militärflughafens von Chièvres (Hennegau) am 9.August 1942. U-Haft in Ath und Mons. In der Gefängnis von Mons schrieb sie noch das Gedicht „Orphée“, die durch eine Nonne aus dem Gefängnis geschmuggelt werden konnte. Am 13. Juni 1943 ging es vom St-Gilllis Brüsseler Gefängnis ab auf eine lange Reise mit dem Zug durch das Reich, Essen, Mesum b. Münster sind Zwischenstationen, um endlich am 22.März in Leer anzukommen, wo sie zum Tode verurteilt wurde. Ihre Mitkämpferin Cécile DETOURNAY wurde zur lebenslangen Zwangsarbeit verurteilt und konnte die Gefangenschaft und den Krieg überleben. Auch ihre unmittelbaren Vorgesetze Henri DENEUBOURG und Edouard SOURDEAU wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Marguerite BERVOETS benimmt sich gegen dem nazistischen Militärtribunal wie eine wahre
Jeanne d’Arc. Ihren Pflichtanwalt rat ihr vergebens zur Mäβigung. Sie wurde der "Spionage" und militärischer Widerstand angeklagt un
d zum Tode verurteilt. Ihr Gnadenversuch wurde abgelehnt.
Ihre letzte Stunden verbrachte Marguerite zusammen mit Fernande Volral (geb. 07.10.1920), aus Charleroi, eine Widerstandskämpferin die den kommunistischen Bewaffnete Partisanen angehört hatte. Am 7. August morgens wurden die beiden nach dem Gefängnis von Wolfenbüttel gebracht, und nachmittags hingerichtet.
Bei der Hinrichtung mit der Fallbeil in Wolfenbüttel bekamen die Verurteilten keine Augenbinde und waren auβerdem mit dem Gesicht aufwärts gelegt. Eine weitere Grausamkeit war daß die Gefangenen die Hinrichtung, die im Hof erfolgte, von ihren Zellen aus beobachten konnten.
Die zum Tode verurteilt Gefangenen in Wolfenbüttel waren NN, Nacht und Nebel. Marguerite wurde als solche beerdigt auf dem katholischen Friedhof von Wolfenbüttel.
Nach der Befreiung wurden die stofflichen Überreste nach Belgien zurück gebracht. Marguerite fand ihre letzte Ruhestätte im militärischen Ehrenhain des Friedhofes von Mons.Die Eltern und Angehörigen BERVOETS bekamen erst im Sommer 1945 Gewißheit über den Tod Marguerites. Dieser Tod wurde zuerst als „Erschossen“ gemeldet. Darüber hinaus hätte die Hinrichtung laut Meldung des Repatrierungsdienstes des belgischen Roten Kreuzes erst am 9.August erfolgt. Auf Grund dieser irrtümlichen offiziellen Angaben wurde dieses Datum angeführt in Urkunden, Dokumentation und Monumenten, anstatt des 7.August.
Auch der letzter Brief an ihre Elter
n, worin sie unter anderem schreibt daß sie nur bedauere die Freude und Liebe des Nachkrieges nicht mehr erleben zu werden, wurde erst nach dem Krieg aufgefunden. Von besonderem Interesse für uns Deutschen ist der Absatz: „Ich frage es euch, habe keinen Haβ gegen das deutsche Volk. Es ist gut, wie alle anderen, und friedliebend. Ich konnte des öfteren seine Güte und sein Mut schätzen. So wie uns, ist es Opfer von einer Eruption der Gewalt, von einem historischen Vulkanismus ohnegleichen daβ auch mal endigen wird“.
So wurde eine Märtyrin zugefügt an der langen Liste der Opfer des Nazismus. Wie Anna SEGHERS es so gut ausgedrückt hat: Die Toten bleiben jung.



Durch ihre glänzenden Studien, gehörte Marguerite zur intellektuellen Elite ihres Landes. Sie war körperlich schön. Ihre Feinsinnigkeit machte von ihr ein vollkommenes weibliches Wesen, die zärtlich gerührt war bei der Berührung mit dem Leben. Sie hatte Talente, die Berühmtheit war ihr reserviert. Was nutzen unsere Tränen und Seufzen? Marguerite BERVOETS blickt beschaulich auf uns aus ihren Himmel des Ruhmes. Laβet unsere Erkenntlichkeit und Liebe zu Ihr aufsteigen. Marguerite brachte das höchste Opfer, die Gabe ihres jungen Lebens damit die Generationen nach ihr in Freiheit und Würdigkeit leben möchten. Daher darf sie nicht vergessen werden, daher sind die Erkenntlichkeit und die Ehrung ihr gegenüber eine PFLICHT.
Daher ist dieser meinem Blog „Politik und Kultur“ ihr gewidmet, ist Marguerite Bervoets die Prima Donna meines Blogs.


Ein Teil der zu diesem Abschnitt passenden Bilder bringe ich in der flämischen Version. Diesen – sehr verkürzte – Angaben verdanke ich Herrn Shmiel Mordche BORREMAN, Verfasser einer Marguerite BERVOETS Biographie (in Manuskriptform).
Meinem Dank geht ebenfalls nach Berufshistoriker Professor Emile PEQUET (Mons) vom Comité Marguerite BERVOETS.

Kommentare:

  1. Fernande Mathieu geb.Volral wurde um 18.32 Uhr-
    Marguerite Bervoets um 18.34 Uhr - Frau Moses geb.Richter um 13.37 Uhr - Herr Richter um 18.39 Uhr - dann 3 Ukrainer Schmackow 18.41 Uhr - Juchmänn 18.44 Uhr - Eppel 18.46 Uhr geköpft.
    Nicht im Hof sondern im Hinrichtungsraum des
    Gefängnisses Wolfenbüttel. Die "Kopf-ab- Maschine" war im Haus einbetoniert und nicht nach draussen zu bríngen . Der Henker war Friedrich Hehr aus Hannover. Eingeliefert waren Bervoets, Mathieu und Frau Moses um 11.oo Uhr am gleichen Tage 07.08.1944.

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  2. Schmückt euch nicht mit fremden Federn. Fernande
    Volral war längst vergeiratet und hieß Matthieu. Siew war auch nicht im belgischen Widerstand sonder in der französischen Resistance.

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  3. Vielen Dank für ihre wertvolle Präzisierungen. Nur schade um den bissigen Ton und daß Sie sich hinter „Anonym“ verbergen.
    Als Antwort veröffentliche ich eine wissenschaftliche Notiz von Historiker Prof. Emile Pequet (Mons, Jurbise):
    http://politiekencultuur.blogspot.com/2011/12/in-memoriam-fernande-volral.html
    Daraus können sie entnehmen daß Fernande Volral als gebürtige Französin sehr wohl eine belgische Widerstandskämpferin war und als solche geehrt wird. Sie war tatsächlich verheiratet Mathieu. In Belgien behalten aber auch verheiratete Frauen weiterhin ihren Geburtsnamen. Wie Sie der Notiz entnehmen können, war Fernande Volral keineswegs eine engstirnige Nationalistin (obzwar es auch solche gegeben hat im Widerstandskampf) sondern eine Internationalistin. Der Vorwurf sich „mit fremden Federn zu schmucken“ ist völlig unzutreffend. In „Politiek en Cultuur“ werden Widerstandskämper(innen) geehrt welche ihre Staatsangehörigkeit auch sei, und Fernande Volral insbesondere weil sie Leidensgefährtin von Marguerite Bervoets war. Was die Guillotine in Wolfenbüttel betrifft, haben wir anderslautende Zeugnisse, ihre Angaben können sehr wohl mehr den Fakten entsprechen. Weitere Angaben zum Thema sind immer willkommen. Nochmals Dank.

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